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Robert:
Praktikum in der Diözesan- und Dombibliothek Köln
(1. September 2000 - 31. Januar 2001)
Über die Bibliothek:
Die Diözesanbibliothek besteht, zuerst als Bibliothek
des Priesterseminars, seit 1615 und ist damit eine der ältesten
Bibliotheken Europas mit Handschriftenbeständen, die bis
in die Zeit Karls des Großen zurückgehen.
Die im Dom aufbewahrte Dombibliothek, deren Ursprünge
bis ins achte Jahrhundert zurückgehen, wurde mit ihren
sehr wertvollen Handschriften 1930 als Dauerleihgabe des
Domkapitels in die Diözesanbibliothek integriert.
Heute ist die Bibliothek mit einem Bestand von ca. 440.000
Bänden, 800 Zeitschriften, 430 Inkunablen und ca. 1500
laufend gehaltenen Zeitschriften eine der größten
theologischen Spezialbibliotheken im deutschsprachigen
Raum.
Als theologische Spezialbibliothek beschränkt sie
sich auf einen Teilbereich der wissenschaftlichen
Fachgebiete. Gleichzeitig hat sie aber auch die Funktion
einer Behördenbibliothek für das Generalvikariat des
Erzbistums Köln (bzw. die Verantwortung für die dortige
Bücher- und Zeitschriftenverwaltung).
Dieses Selbstverständnis bzw. der zugewiesene
Aufgabenbereich hat zur Folge, dass der Schwerpunkt eben
nicht nur auf der Theologie mit ihren Einzeldisziplinen
liegt, sondern auch benachbarte Fachbereiche (Philosophie,
Geschichte) bzw. die Verknüpfungspunkte mit eigentlich völlig
fremden Gebieten (z.B.: Recht: Arbeitsrecht, Köln:
Coloniensia, Medizin: AIDS, Gentechnik) berücksichtigt
werden müssen.
Dabei gilt der Grundsatz:
Die Literaturauswahl trifft nicht alle Wissensbereiche
gleichmäßig, sondern berücksichtigt bei den
Sammelschwerpunkten möglichst umfassend das gesamte
Spektrum der Veröffentlichungen, also neben den
Neuerscheinungen aus dem Verlagsbuchhandel und Antiquaria
auch verstärkt die sog. Graue Literatur.
Dabei besteht immer die Gefahr, des Guten zuviel zu tun (beliebter
Witz in früheren Jahren: "Wir sammeln alles - auch
Theologie!").
Mein bisheriger Praktikumsverlauf lässt sich in drei
Teilbereiche untergliedern.
- In den ersten acht Wochen, war ich für das
Historische Archiv des Erzbistums tätig.
In der Zeit begann ich damit, die
Dienstbibliothek mit einem Bestand von ca. 20.000
Bänden nach RAK-WB in die EDV zu katalogisieren.
Das Problem des Archives ist, dass dort Fachleute
aus dem Archivwesens tätig sind, nicht aber
Bibliothekare. Zum anderen wurde bisher ein
Zettelkatalog geführt. Nun soll eine Umstellung
auf einen EDV Katalog erfolgen. Da es den dort tätigen
Kräften nicht möglich ist, die Katalogisierung
selber vorzunehmen, weil ihnen sowohl die
bibliothekarische Ausbildung wie auch die Zeit
fehlt, wurde beschlossen, dass ich im Rahmen
eines Projektes mit der retrospektiven
Katalogisierung beginne solle, damit sie anhand
dieser Ergebnisse Argumente in der Hand haben, um
Projektmittel für eine weitere Katalogisierung
zu erhalten.
Die Bände der Bibliothek sind dort systematisch
aufgestellt und ich habe mit der Systemstelle der
Ortsliteratur begonnen. Hierunter findet sich
sehr viel graue Literatur, vor allem
Festschriften von Pfarrgemeinden bzw. Verbänden
und dergleichen.
Da das Archiv nicht über die nötigen
bibliographischen Nachweismittel wie auch über
die Kentnisse mit dem Umgang der
Bibliotheksdatenbank BIS verfügten hatte ich
meinen Arbeitsplatz in der Diözesanbibliothek,
die mich auch fachlich betreute.
Nach Abschluß meiner Tätigkeit waren knapp 900
Aufnahmen in der Datenbank.
Ein Mitarbeiter des Archives ist dabei, sich in
die Geheimnisse der RAK-WB einzufinden, um die
Neuerwerbungen katalogisieren zu können.
Der Altbestand soll über ein Projekt in die
Datenbank eingearbeitet werden.
Für mich war es eine interessante Erfahrung,
dass katalogisieren sogar richtig Spaß machen
kann (habe ich vorher selber nie für möglich
gehalten).
Eine nette Abwechslung war es auch, dass das
Archiv in dieser Zeit die Ausstellung "Christen
am Rhein" im Foyer der Bibliothek
veranstaltet hat, deren feierlicher Eröffnung
ich natürlich auch beiwohnen konnte.
- Der zweite Teil meines Praktikums gestaltete sich
derart, dass ich in 4 Wochen durch die
verschiedenen Abteilungen der Bibliothek
gewandert bin, um einen umfassenden Eindruck über
die verschiedenen Aufgabenspektren der Bibliothek
zu erhalten. Spannend wird die ganze Sache dann,
wenn es darum geht, auf Auktionen Lücken im
Altbestand zu schließen.
Dafür werden die Auktionskataloge durchgesehen
und geprüft, ob für die Bibliothek interessante
Bestände dabei sind. Wenn dies der Fall ist,
wird in der Regel ein Höchstgebot festgesetzt,
welches dem Auktionator schriftlich vor der
Versteigerung mitgeteilt wird. Wenn man Glück
hat, erhält man das gewünschte Exemplar, wenn
man Pech hat, liegt das Höchstgebot allerdings
knapp über dem eigenen Höchstgebot.
Falls man selber vor Ort gewesen wäre, hätte
man noch vielleicht etwas höher bieten können,
aber aus Kostengründen ist es meistens nicht möglich,
zu den verschiedenen Auktionen zu reisen.
- Im dritten Teil meines Praktikums geht es um die
Zeitschriftenneuverteilung im Lesesaal.
Dort stehen ca. 900 Zeitschriften zur direkten
Nutzung bereit. Die Aufstellung erfolgte nach
einer Systematik, die mittlerweile den
Erfordernissen nicht mehr entspricht und nun den
Erfordernissen angepasst werden soll.
Der Reiz dieser Bibliothek liegt zum einen in
seiner langen Geschichte. Dadurch sind viele alte
und wertvolle Bücher im Bestand, darüber hinaus
verfügt sie aber auch über die aktuelle
Literatur im Sammelgebiet.
Hinzu kommt weiterhin, dass die Räumlichkeiten für
den Benutzer wenig Wünsche offen lassen.
Was auch eine nicht zu unterschätzenden Sache
ist, ist die Tatsache, dass man mit den
Mitarbeitern sehr schnell eine Menge Spaß haben
kann und die sich auch die Zeit nehmen, einen
Zusammenhänge und Abläufe zu erklären.
Im Moment befindet sich die Bibliothek auch in
verschiedener Hinsicht in einer interessanten
Phase des Übergangs. Im kommenden Jahr wird das
bisherige System BIS ... ersetzt.
Hier stellen sich viele Fragen auch hinsichtlich
der Datenmigration. Des weiteren gibt es Gespräche
darüber, ob die Bibliothek Verbundteilnehmer im
HBZ werden soll. Diese Sachen werfen viele Fragen
auf, bei denen es interessant ist, dabei zu sein
und Teile eines solchen Entwicklungsprozesses
mitzubekommen und mitzumachen. Eine angenehme
Erfahrung ist es, dass man auch als Praktikant in
solchen Gesprächsrunden ernst genommen wird,
wenn man selber etwas beizutragen hat. Generell
muss man sowieso feststellen, dass das
Arbeitsklima dort sehr angenehm ist.
Für mögliche nachfolgende Praktikanten wird es
sicherlich sehr interessant sein, mitzukriegen,
was es heißt, eine neue Software einzuführen
und welche Herausforderungen damit verbunden sind.
Des weiteren ist die Frage nach der
Verbundteilnahme auch noch nicht geklärt.
Es gibt dort einiges an vielfältigen sowohl
klassischen Betätigungsfeldern wie auch
Mitarbeit in der Gestaltung des online Auftrittes
der Bibliothek, der momentan sicherlich noch im
Anfangsstadium ist.
Hinzu kommt auch noch, dass die Führung im
kommenden Jahr komplett wechseln wird, da sowohl
der Direktor als auch sein Stellvertreter in den
Ruhestand gehen, bzw. gerade gegangen sind.
Robert Brach
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